Unser Einstieg in das Schwarzlichttheater

Die Martinsschule ist eine Schule für Schüler mit geistiger Behinderung. Der Grad der Behinderung reicht von einer leichten geistigen Behinderung bis zu schweren Mehrfachbehinderungen. Alle unsere Schüler sind aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage, eine Allgemeine Schule bzw. Schule für Lernhilfe zu besuchen. Viele unserer Schüler sind unter anderem nicht in der Lage zu sprechen, zu gehen, sich selbstständig zu orientieren oder sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren. Die Mehrzahl der Schüler hat Schwierigkeiten, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.

Die pädagogische Grundlage dieser Schulform muss deshalb explizit auf den lebenspraktischen Bereich ausgerichtet sein. Die Schülerschaft soll in die Lage versetzt werden, möglichst selbstständig zu handeln.
Schwarzlichttheater bietet hierfür ideale Bedingungen. Bei dieser Form des Theaterspielens stellt sich die beim herkömmlichen Theater oft beobachtbare Scheu – sich in exponierter Stellung auf der Bühne darzustellen – nicht ein. Die Schüler erkennen schnell, dass sie nicht gesehen werden, wie sie auch ihrerseits das Publikum nicht sehen können. Das hemmende Gefühl, intensiv beobachtet zu werden, oder die Angst, sich bei Ungeschicklichkeiten zu blamieren, stellt sich somit gar nicht erst ein. Darüber hinaus wagen sich die Schüler an freiere Darstellungsformen – Bewegungen fallen ausladender aus und gewinnen so an Ausdruckskraft. Durch die Dunkelheit entfallen Ablenkung mit einer daraus deutlich gesteigerten Konzentrationsfähigkeit mit Blick auf das Wesentliche, das wegen der schlechten Sichtverhältnisse zu rigiden Ordnungsstrukturen zwingt. Insbesondere finden bei dieser Theaterform schüchterne und gehemmte Schüler Möglichkeiten, Ideen einzubringen, Vorstellungskräfte zu enthalten und sich auszudrücken. Zweifellos führt die wachsende Darstellungsfähigkeit zu einer Steigerung der Experimentierfreude und darüber hinaus zu einer Stärkung des Selbstwertgefühls und –bewusstseins.
Für die Lerngruppe, wie auch für die Lehrkräfte, war das Arbeiten mit dem Medium Schwarzlichttheater neu. Am Anfang des Projektes machten wir spielerische Erfahrung mit Hell–dunkel-Kontrasten, welche besonders die optische Wahrnehmung ansprachen. Zu diesem Zweck hielten Schüler schwarze und weiße Pappfiguren vor verschiedene Farbhintergründe. Dadurch wurde der Gruppe deutlich, dass eine schwarze Figur vor einem schwarzen Hintergrund visuell fast nicht wahrnehmbar ist und bei entsprechender Beleuchtung optisch ganz verschwindet. Bei diesen Übungen im Dunkeln haben wir zu unserer Verwunderung bemerkt, dass die Gruppenmitglieder keinerlei Furcht vor der Dunkelheit zeigten. So wurde die Gruppe an ein Grundprinzip des Schwarzen Theaters herangeführt. In einem weiteren Schritt wurde dieser Modellcharakter auf reale Darsteller übertragen. Die Schüler erkannten, dass schwarz gekleidete Mitschüler (inklusive Handschuhe und Kopfbedeckung) vor einem schwarzen Hintergrund nicht sichtbar waren. Mit diesem visuellen Phänomen wurde ausgiebig mit den Schülern experimentiert.

In dieser Erarbeitungsphase verzichteten wir auf den Einsatz von Schwarzlicht, da dies eine Überforderung (zu viele neue Komponenten) für die Gruppe gewesen wäre. Erst in einem weiteren Schritt wurde das Medium Schwarzlicht eingeführt. Das erste Erleben des Schwarzlichtes war für alle ein unvergesslicher Eindruck. Viele Gegenstände im Klassenraum und Alltagskleidungsstücke aller Anwesenden begannen zu leuchten. Auch sehr schwache Schüler wurden von diesem visuellen Phänomen sehr stark angesprochen, besonders wenn sie dieses Leuchten an ihrem Körper (Kleidung) wahrnehmen konnten. In der nächsten Phase erfolgte das Zusammenbringen der experimentellen Vorerfahrung mit dem Medium Schwarzlicht. Hierbei erwies es sich als sinnvoll, zuerst mit abstrakten, leuchtenden Elementen zu arbeiten, wie beispielsweise mit weißen Scheiben. Die dadurch angeregten Bewegungen wurden zur Sensibilisierung der Körperwahrnehmung genutzt. So war es unseren Schülern möglich, leuchtende Gegenstände oder den eigenen leuchtenden Körper gezielt zu bewegen.
Die Anfänge der Projektarbeit fanden nicht auf der Bühne der Schule statt, sondern in einem vollständig verdunkelbaren Raum, da dieser den Schülern vertrauter war und so mehr Sicherheit vermittelte als die große offene Bühne. Erst in den folgenden Phasen, in der Erarbeitung erster Spielszenen, wechselten wir den Aktionsrahmen und probten auf der Schulbühne. Hierbei wurden die Inhalte des Stückes vorgegeben, damit sich die Schüler zunächst auf die für sie neue Darstellungstechnik konzentrieren konnten. In einem weiteren Schritt wurde eine neue Spielszene erarbeitet, in der die Schüler an der Erarbeitung der Geschichte teilweise beteiligt waren.

Das Theaterstück "Nachts im Kaufhaus"
Die erste Szene findet vor der Bühne im Stil des traditionellen Personentheaters statt. Alle anderen Szenen werden auf der Bühne mit Schwarzlicht gespielt. Um alle Beteiligten im Projekt Schwarzlichttheater zu integrieren, haben wir uns beim aktuellen Theaterstück für eine Mischung zweier Theaterformen entschieden. Ein Teil des Stückes findet als traditionelles Personentheater statt und ein weiterer Teil im Stil des Schwarzlichttheaters. Auf die Darstellung des traditionellen Personentheaters haben wir in der Annahme verzichtet, dass diese Theaterform hinreichend bekannt ist. Da die überwiegende Zahl der Schüler nicht lesen kann, haben wir uns für ein Drehbuch in Form einer Bildergeschichte entschieden.



Das Drehbuch des Theaterstückes

Zur Handlung
Die Geschichte spielt in einem Kaufhaus, welches mit wenigen Requisiten vor und auf der Bühne dargestellt wird. Über der Bühne hängt ein großes Schild „Joh“, der Name des Kaufhauses.

Erste Szene: Spot an!
Der Verkäufer betritt den Zuschauerraum und läuft am Publikum vorbei zu seinem Verkaufsstand. Er bereitet seine Kasse vor, schiebt einen fahrbaren Kleiderständer auf die verabredete Position und nimmt hinter der Kasse Platz und wartet auf Kundschaft. Kaum hat sich der Verkäufer gesetzt, betritt eine Kundin den Zuschauerraum. Sie läuft zielstrebig zum Verkaufsständer, wählt aus und entscheidet sich letztendlich dafür, eine Jacke zu kaufen. Der Verkäufer packt die Jacke in eine Tasche, die Kundin bezahlt und verlässt den Zuschauerraum. Der Verkäufer verlässt ebenfalls den Zuschauerraum. Spot aus! Die erste Szene ist beendet.

Zweite Szene:
Das UV-Licht und die entsprechende Musik sorgen für hohe Aufmerksamkeit. Unmittelbar nach Beendigung der ersten Szene öffnet sich der Vorhang. Auf der Bühne ist lediglich einen Kasse zu sehen. Nun erscheint aus dem Nichts – wie von Geisterhand bewegt – ein Einkaufskorb, der durch die Luft fliegt und vor der Kasse zum Landen kommt. Für die Zuschauer sieht es so aus, als ob der Korb schwebe. Unterschiedliche Gegenstände wie eine Hose, ein Kochlöffel, ein Socken und ein Kochtopf fliegen zur Kasse in den Einkaufskorb. Die Gegenstände werden von Schülern (ganz in Schwarz gekleidet mit schwarzer Kapuze und schwarzen Handschuhen) in den Einkaufskorb gelegt. Durch den schwarzen Hintergrund der Bühne, das UV-Licht und die schwarz gekleideten Schüler sind nur die fliegenden, tanzenden oder schwebenden Gegenstände sichtbar. Mit einem schwarzen Tuch wird der gefüllte Einkaufskorb zugedeckt. Für die Zuschauer sieht es so aus, als ob der Einkaufskorb verschwindet.

Dritte Szene:
Die Kittelschürze einer Putzfrau erscheint mitten auf der Bühne. Plötzlich sind weiße Hände sichtbar. Von Hinten schwebt ein Kopftuch auf den unsichtbaren Kopf. Vor den Augen der Zuschauer entsteht so das Fragment einer Putzfrau. Die Putzfrau holt sich einen Staubsauger, um mit den Reinigungsarbeiten im Kaufhaus zu beginnen. Als sie diese Arbeit beendet hat, verlässt sie die Bühne.

Vierte Szene:
Eine Fensterscheibe erscheint. Ein Hammer taucht auf und schwebt langsam auf die Scheibe zu. Der Hammer schlägt die Scheibe ein. Ein lautes Klirren und die Scheibe ist zerbrochen. Der Hammer schwebt von der Bühne. Die eingeschlagene Fensterscheibe verschwindet.

Fünfte Szene:
(Die Scheibe ist zerschlagen und der Weg ist frei)
Der Lichtstrahl einer Taschenlampe sucht etwas. Einen Moment später wird auch der Halter der Taschenlampe sichtbar. Es ist ein Einbrecher auf der Suche nach Beute. Der Lichtstrahl wandert am Boden entlang bis ins Publikum, das kurz geblendet wird. Plötzlich findet der Lichtstrahl der Taschenlampe die Kasse des Kaufhauses. Der Einbrecher beginnt mit seiner Arbeit. Aus seinem Rucksack nimmt er ein Brecheisen, und bricht die Kasse auf. Er nimmt dicke Geldscheinbündel aus der Kasse und steckt sie in seinen Rucksack. Plötzlich ertönt das Geräusch eines Polizeiautos. Der Einbrecher erschrickt und versteckt sich.

Sechste Szene:
Ein Polizeihund kommt auf die Bühne, dicht gefolgt von einem Polizisten. Der Hund nimmt an der Kasse die Witterung des Einbrechers auf. Der Einbrecher wird nach kurzer Zeit entdeckt und von dem Polizisten festgenommen. Mit gezogener Waffe und erhobenen Händen verlassen der Polizist und der Einbrecher gefolgt vom Hund die Bühne. Das Stück ist zu Ende und der Vorhang schließt sich.

Aufgabenverteilung: Wer macht was?
Das Projekt Schwarzes Theater ist ein Zusammenwirken von Schülern und Lehrkräften. Im Folgenden soll die Arbeitsteilung der unterschiedlichen Bereiche dargestellt werden.

Aufgaben der Schüler
Im Laufe des Projektes wurden immer mehr Aufgaben auf die Schüler übertragen und dadurch das selbstständige Arbeiten der Schüler gefördert. So liegt beim aktuellen Stück die Ideenfindung und Entwicklung der Geschichte in der Hand der Schüler. Diese Arbeitsphase fand in der Großgruppe statt. Danach erfolgte die Teilung der Aufgaben in folgende Bereiche:

Herstellung der Requisiten und der Werbung
Bühnentechnik
Schauspieler

Die Herstellung der benötigten Requisiten wird, mit entsprechenden Hilfestellungen, von den Schülern übernommen. Durch das Arbeiten mit allen Sinnen in diesem Bereich bekommen die Schüler eine besondere Verbindung zu dem entstehenden Stück. Außerdem haben die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe den Bereich der Werbung (Plakate, Handzettel usw.) übernommen. Im Bereich der Bühnentechnik wurden verstärkt Schüler einbezogen. Dieser Bereich ist vielseitig und reicht von der Betätigung des Bühnenvorhanges über den musiktechnischen Bereich bis zum Ausleuchten der Bühne.
Bei Proben und Aufführungen werden alle tragenden Rollen von Schülern gespielt. Die hier agierenden Schauspieler müssen sich auf ihre darzustellende Rolle einlassen, um diese konzentriert auszuführen. Bei öffentlichen Aufführungen kommt die Bewältigungen der dadurch veränderten Darstellungssituation hinzu (Lampenfieber).

Aufgaben der Lehrkräfte
Die vielfältigen Aufgaben der Lehrkräfte haben sich im Laufe der Arbeit verändert. So musste ein didaktisch – methodisches Konzept entwickelt werden, welches den Schülern ermöglicht, so eigenständig wie möglich mit dem Medium Schwarzes Theater umzugehen. Nach der Anfangsphase, in welcher Gruppe die Wirkungsweise des Schwarzen Theater näher gebracht wurde, und nach den entsprechenden Übungen und dem Experimentieren auch im Bereich der Bewegungssensibilisierung war ein wichtiger Bereich die Auswahl der Spielhandlung.
Lagen die Aufgaben anfänglich, in der Phase der Stückfindung, im Auswählen und in der Entwicklung neuer Spielszenen, so veränderte sich dieser Aufgabenbereich mit der neuen Gestaltungs- und Entscheidungskompetenz der Schüler. Nun war es wichtig, die verschiedenen Ideen der Gruppenmitglieder aufzugreifen, zu sammeln und mit der Gruppe einen Sinnzusammenhang zu erstellen, um dadurch einen Geschichte zu entwickeln. Diese musste schriftlich festgehalten werden. Als geeignetes Medium hat sich hier die Bildergeschichte erwiesen, da wir überwiegend Nichtleser in unserer Schule haben, viele aber Piktogramme lesen und verstehen können. Es sind also verstärkt Beratungs- und Strukturierungshilfen nötig, die von den Lehrkräften gegeben werden, um eine Überforderung der Schüler zu verhindern. Im Bereich der Planung und der technischen Umsetzung („Tricktechnik“) können unsere Schüler nur sehr begrenzt mitarbeiten, da viele die rationalen Transferleistungen nicht leisten können. Für die Proben der Stücke kam es zu einer Aufgabenteilung unter den Lehrkräften. Einige leisten seither verstärkt Regiearbeit, andere agieren gemeinsam mit den Schülern auf der Bühne und geben Hilfestellungen. Doch nicht nur die Erarbeitung der Stücke ist im Aufgabenplan der Lehrkräfte wichtig, sondern auch die Gestaltung der Rahmenbedingungen: Finden von Auftrittsanlässen, Rhythmisierung der Proben, Erkennen des Bedarfs an Proben vor Aufführungen usw. Unser Bestreben ist es, in möglichst vielen dieser Bereiche Schüler einzubeziehen, jedoch zeigen sich hierbei auch Grenzen.

Requisiten herstellen
Die notwendige Grundausstattung für das Schwarze Theater war vorhanden. Das heißt, es gab einen Raum, den man vollständig verdunkeln konnte, und eine Bühne, die an den Wänden mit schwarzem Stoff und am Boden mit einem schwarzem Teppich ausgekleidet war. Für die Schauspieler standen schwarze Hosen, schwarze Rollis, schwarze Kapuzen und schwarze Handschuhen zur Verfügung. Alle weiteren Requisiten mussten für das aktuelle Theaterstück erst angefertigt werden.
Auch in diesem Bereich werden die Schüler auf ganz unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen angesprochen und gefördert (Lernen mit allen Sinnen). Da ist zunächst die kognitive Ebene – die Schüler wurden z.B. aufgefordert, zu überlegen: Welche Requisiten sind wichtig für unser Stück? (Bühnenbild und Ausstattung der Schauspieler). Es ging darum, Requisiten zu finden, die auf prägnante Weise die Szene bzw. die Rollen verdeutlichen.
In einem nächsten Schritt ging es in die Herstellungsphase. Es wurden verschiedene Herstellungstechniken angewendet: Die Schüler mussten Gegenstände bekleben, anmalen, ausschneiden usw. So konnten die Schüler mit ihren unterschiedlichsten Fähigkeiten in die Herstellungsverfahren eingebunden werden. Angesprochen waren die visuellen und haptisch – taktile Wahrnehmungsebene. Die Schüler identifizieren sich über die selbstgefertigten Requisiten immer mehr mit ihrem Stück. Auch durch das „Werben“ für das Theaterstück innerhalb der Schulgemeinde, durch das Entwerfen von Plakaten und Einladungen, die von den Schülern in der Schule verteilt werden, entsteht einen besondere Verbindung der Schüler zu ihrer Theatergruppe.

Bühnentechnik
Auch im Bereich der Bühnentechnik fanden Schüler ihre spezifischen Aufgaben. Schüler beispielsweise, die sich noch nicht trauten, im Dunkeln auf der Bühne zu agieren, waren vor, hinter und neben der Bühne mitverantwortlich für die Beleuchtung, für die Betätigung des Bühnenvorhanges und für die Installierung und Betätigung der Musikanlage.
Im Vorfeld ging es darum, gemeinsam mit den Schülern geeignete Musik und Geräusche auszuwählen.
Allgemein kommt der Musik beim Schwarzen Theater eine tragende Bedeutung zu. Sie ist nicht nur Gestaltungselement, sondern auch für Handlungs- und Bewegungssequenzen auslösend und stützend einsetzbar. Auch während unserer Probenarbeit zeigt sich deutlich, dass die Musik die Schüler in ihren Bewegungen führt und unterstützt, dem Stück eine besondere Atmosphäre verleiht und auch dramaturgische Höhepunkte entscheidend hervorhebt. Ausgewählt wurde meditative Klaviermusik und z. B. für den Auftritt des Polizisten die Erkennungsmelodie der Fernsehserie „Tatort“.
Neben der Musik kam der Auswahl und dem Einsatz von Geräuschen eine entscheidende Rolle zu. Hiermit wird in besonderem Maße die auditive Wahrnehmung der Schüler angesprochen. Die Geräusche haben eine Signalfunktion, die den Schülern hilft, Zusammenhänge zu assoziieren. Die Schüler konnten sich bei der Produktion der Geräusche auf ihre Art ausdrücken und sich beim Abspielen der Aufnahme wiedererkennen. Dieses Vorgehen erhöht die Aufmerksamkeit der Schüler und ermöglicht es ihnen, den Inhalt des Stückes besser zu verinnerlichen.

Die Schauspielermethoden der Rollenfindung und -darstellung
Das Verteilen der darzustellenden Rollen geschieht in Zusammenarbeit von Lehrkräften und Schülern. Hierbei wird ein Aktions- und Anforderungsprofil der darzustellenden Rollen entwickelt. Bei der Rollenvergabe wirken die Lehrkräfte beratend, da viele Schüler ihre Leistungen nicht realistisch einschätzen können. Im Vordergrund soll aber weiterhin die Rollenwahl durch die Schüler selbst stehen.

Dadurch kann sich ergeben, dass die Darstellung einer Rolle den individuellen Voraussetzungen der Schüler angepasst werden muss und die Darstellungsmöglichkeiten somit vielleicht sogar erweitert werden können. Die Rollen werden nach der Erarbeitung unter den Schülern nicht ausgetauscht. Nur so ist es den Darstellern möglich, sich die jeweiligen Handlungs- und Bewegungsabläufe einzuprägen.
Das Schwarze Theater bietet wie kaum eine andere Theaterform Möglichkeiten der Hilfestellungen für die Darstellung auf der Bühne. So können selbst schwache Schüler Bewegungsabläufe mit Handführung oder Körperführungsunterstützung erhalten, da der Hilfegebende durch seine schwarze Kleidung ebenfalls unsichtbar bleibt. Bewegungsabläufe können dadurch sehr exakt ausgeführt werden, Schülern mit Orientierungsproblemen so in der Dunkelheit die nötige Sicherheit vermittelt werden.
Da das Leistungsbild der Schüler der Gruppe sehr unterschiedlich ist, muss individuell ein Programm von Hilfestellungen ausgearbeitet werden, das es dem Darsteller ermöglicht, sich so selbstständig wie möglich auf der Bühne zu bewegen.

Erste Erfahrungen mit dem Stück bei einer "öffentlichen Probe"
Die Idee, eine öffentliche Probe zu veranstalten, liegt darin begründet, dass die Schüler die Möglichkeit erhalten sollten, Erfahrungen mit Auftritten vor Publikum zu sammeln. Mit Handzetteln und Plakaten wurden alle Schüler und Lehrkräfte eingeladen. Bereits beim Eintreffen der Schüler war klar, dass dieses Theaterstück nicht wie geplant werden konnte, da wichtige Darsteller erkrankt waren. Dadurch war es notwendig, die Rollen kurzfristig umzubesetzen.
Die Hälfte der Schüler, die dieses Theaterstück „Nachts im Kaufhaus vorführten, stand zum ersten Mal vor Publikum auf der Bühne. Bei den meisten Schülern stellte sich Lampenfieber ein.
Erkenntnisse aus dieser öffentlichen Probe waren unter anderem, wichtige Rollen doppelt zu besetzen und Veränderungen im Bereich der Tricktechnik vorzunehmen.

Öffnung der Schule nach außen (Aufführungen und Wettbewerbe)
Es gibt viele gute Gründe, Schwarzlichttheater an der Martinsschule zu spielen. Ein Punkt war und ist, Schule nach außen zu öffnen, um Gelegenheiten für die Begegnung von Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung zu schaffen.
Um unser Schwarzlichttheater in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, entschieden wir uns für die nächsten Schritte. Zuerst erst wurde die regionale Presse informiert, welche uns mit ihren Artikeln sehr unterstützte.


Die Premiere
Am 6. April 2001 wurde die Premiere des Theaterstückes im Rahmen eines Kulturabends gefeiert. Die Schulleiterin Frau Gabriele Matzner begrüßte die Besucher in der vollbesetzten Aula der Martinsschule. „Etwas Neues“ versuchte die Schule mit ihrem ersten Kulturabend, sagte Frau Matzner. „Gespannt und neugierig“ sehe die ganze Schulgemeinde der Aufführung entgegen.
Da der Handlungsort des Theaterstückes das Gelnhäuser Kaufhaus Joh war, freuten wir uns besonders über den Besuch der Geschäftsleitung dieses Kaufhauses. Die Schüler ernteten viel Applaus und große Anerkennung für die Darbietung. „Heute hat die Luft geflimmert“, fasste die Schulleiterin die Stimmung des Abends zusammen. Erstaunlich war, dass trotz oder gerade wegen der großen Anspannung aller Beteiligten die Akteure besonders gut und präzise spielten. Strahlenden Gesichter und stolze Eltern waren der Lohn für die gelungene Darbietung.
Die Teilnahme an Wettbewerben
Ein weiterer Weg, Schule nach außen zu öffnen, bestand in der Teilnahme an zwei Wettbewerben:
„Der goldene Floh“ war ein Wettbewerb für praktisches Lernen, an dem sich alle hessischen Schulen und Schulformen bewerben konnten. Dieser Wettbewerb wurde erstmals in Hessen durchgeführt.
Die Aufgabe bestand darin, Erfahrungen mit praktischem Lernen anschaulich darzustellen. Am 19. Mai 2001 wurden die Ergebnisse von 22 Schulen aus Hessen, die in die Endausscheidung kamen, in Pohlheim – Garbenteich präsentiert. Unterschiedlichste Schulprojekte wurden vorgestellt, darunter gab es jedoch kaum Theaterproduktionen. Die Schüler der Martinsschule wurden im Beisein der Kultusministerin Karin Wolff für ihr Theaterstück mit dem Förderpreis für praktisches Lernen ausgezeichnet und erhielten zusätzlich den Sonderpreis der Flughafen AG. Die zweite Teilnahme erfolgte beim Hessischen Schultheatertreffen in Frankenberg. Dieser Wettbewerb war ausgeschrieben für Theatergruppen aller Schulformen. Vor den Osterferien 2001 sollte ein Proben- oder Aufführungsbesuch ermöglicht werden, an welchem eine Jury die Produktion beurteilt. Die zwölf interessantesten Produktionen wurden ausgewählt und im Rahmen des Hessischen Schultheatertreffen aufgeführt.
Die Schwarzlichttheatergruppe der Martinsschule gehörte zu den „Auserwählten“ und fuhr Mitte Juni 2001 nach Frankenberg zur Aufführung ihres Stückes und zur Preisverleihung. Während dieses Aufenthaltes entstand zudem der Name unserer Theatergruppe: TaM TaM (Theater an der Martinsschule). Die Schwarzlichttheatergruppe „TaM TaM“ der Martinsschule wurden mit dem Schultheaterförderpreis der Sparkassenkulturstiftung Hessen – Thüringen ausgezeichnet.


Die Theatervorstellung beim Schulfest
Zum Abschluss des Schuljahres und dieses Projektes bot sich für unsere Theatergruppe die Möglichkeit, das Theaterstück am Sommerfest nochmals einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Bei diesem Auftritt spielte die Zweitbesetzung. Somit erhielten diese Schüler ebenso die Gelegenheit, ihr Können einem öffentlichen Publikum darzubieten.


Ausblick auf weitere Vorhaben
Aus den gemachten Erfahrungen der letzten beiden Jahre haben sich wichtige Punkte bezüglich der Vorgehensweise der Vorgehensweise als hilfreich erwiesen.
Zunächst hat sich die Form der Geschichtenentwicklung in Form von Bildern und eines daraus entstehenden Bilder-Drehbuches bewährt, da es den Schülern als Gedächnisstütze dient. Diese Arbeitsweise soll somit für das Theaterstück beibehalten werden. In den beiden ersten Stunden entwickelten die Schüler die Grundlagen für ein Theaterstück zum Thema Zirkus.
Des Weiteren hat sich das Arbeiten mit Erst- und Zweitbesetzung bewährt. Dies ermöglicht uns, Ausfälle aufzufangen und viele Schüler einzubeziehen.
Nachdem wir positive Erfahrungen mit der Teilnahme an öffentlichen Wettbewerben gemacht haben, möchten wir auch künftig an Wettbewerben teilnehmen. Gerade auf solchen öffentlichen Veranstaltungen ergeben sich Möglichkeiten der Begegnung und des Austausches.
Um eine weitere Öffnung unserer Schule nach außen zu bewirken, sehen wir die Notwendigkeit, mit unserem Schwarzlichttheater TaM TaM mobil zu werden.

Zur Geschichte
1999 – Gründung der Schwarzlicht Theatergruppe TaM TaM. 1. Produktion (eigenes Stück) „Der Geist aus der Flasche“.
2000 – „Die Supergräte“ (Eigenes Stück).
2001 – Nachts im Kaufhaus“ (Eigenes Stück). Teilnahme am Wettbewerb der Goldene Floh und ausgezeichnet von der Kultusministerin Karin Wolf mit dem Förderpreis für praktisches Lernen und dem Sonderpreis der Flughafen AG Teilnahme beim Schultheatertreffen in Frankenberg und ausgezeichnet mit dem Schultheaterförderpreis der Sparkassenkulturstiftung.
2002/2003 – Stars in der Manege" (Eigenes Stück).
2004/2005 - Der ehrliche Dieb
2005/2006 - Thema Fußballweltmeisterschaft

Kreativ-Workshop
Unsere vielfältigen Erfahrungen mit Schwarzlichttheater möchten wir in Form von Workshops an Sie weitergeben. Dieses Angebot kann von Lehrern, Erziehern und Gruppenleitern wahrgenommen werden. Sie lernen hierbei nicht nur die Illusionstechnik des Schwarzlichttheaters kennen, sondern auch die Grundprinzipien von kreativer Theaterarbeit. Den Teilnehmern werden so erste Selbsterfahrungen ermöglicht. Hierbei soll viel Raum für das Experimentieren mit diversen Materialien und Bewegungsformen gegeben werden. Aber auch das Arbeiten mit gruppendynamischen Prozessen, wie Anleiten einer Theatergruppe, sowie die Stückfindung und Inszenierung als Teamarbeit sind Workshopschwerpunkte.




Anschrift der Verfasser
Eleonore Krebs-Dembinski
Michael Hölzinger
Schwarzlichttheatergruppe TaM TaM
Martinsschule
Förderschule des Main-Kinzig-Kreises
Brentanostraße 9
63589 Linsengericht-Altenhaßlau



Literaturempfehlungen
Günther, S.: Das Zauberlicht
Spiele Aktionen und Theater mit Schwarzlicht für Kinder. Münster 2000

Krowatschek, D./Hengst, U./Leiterer, D.
Schwarzes Theater leicht gemacht – Ausstattung und Spielvorschläge für den Einsatz in der Schule. Dortmund 2000

Martinsschule Linsengericht Altenhasslau Förderschule für geistig behinderte Kinder
Schwarzlichttheater-2

Schwarzlichttheater TaM TaM

Schwarzlichttheater an der Martinsschule
Schwarzlichttheater an der Martinsschule
Schwarzlichttheater an der Martinsschule

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